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Wärmestrahlung

 

Das elektromagnetische Wellenspektrum überdeckt einen Frequenzbereich von ungefähr 18 Dekaden. Das Spektrum reicht von der hochfrequenten tex2html_wrap_inline5817-Strahlung (tex2html_wrap_inline5819 Hz), über die kosmische Hintergrundstrahlung (tex2html_wrap_inline5821 Hz), bis zu den Radiowellen (tex2html_wrap_inline5823 Hz). Das menschliche Auge nimmt daraus nur einen winzigen Bereich überhaupt wahr. Der Wellenlängenbereich des sichtbaren Lichts beginnt im Violetten (350 nm) und endet im Roten (750 nm). Abbildung 2.1 zeigt das elektromagnetische Wellenspektrum, wobei der Bereich des sichtbaren Lichts und der Infrarotstrahlung gesondert herausgestellt ist.

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Abbildung: Das elektromagnetische Wellenspektrum. Direkt nach dem Bereich des sichtbaren Lichts schließt sich die Infratotstrahlung an.

Die Empfindlichkeit unseres visuellen Systems ist im sichtbaren Bereich des elektromagnetischen Spektrums sehr unterschiedlich ausgeprägt. Im Bereich der Wahrnehmung von Farbe haben Young und Helmholtz Anfang des neunzehnten Jahrhunderts Pionierarbeit geleistet. Wilhelm Herschel hielt im Jahre 1800 einen Thermometer in das durch ein Prisma zerlegtes Sonnenlicht und stellte fest, daß die Energie des Spektrums ganz anders verteilt ist als der vom Auge wahrgenommene Helligkeitseindruck.

Es muß also streng zwischen den Größen, die die Strahlung physikalisch richtig beschreiben, und den physiologischen Größen, die unsere visuelle Wahrnehmung charakterisieren, unterschieden werden. Aus diesem Grund wird in Videokameras die Lichtintensität in einen Grauwert umgesetzt, der weitgehend der logarithmischen Kennlinie des menschlichen Auges entspricht. Für die physikalische Betrachtung von Prozessen ist jedoch meistens ein linearer Zusammenhang zwischen Intensität und Grauwert erwünscht.

Heiße Körper senden aufgrund ihrer Temperatur elektromagnetische Strahlung aus, die sogenannte Temperatur- oder Wärmestrahlung. Die Wärmestrahlung schließt sich im Spektrum direkt an das rote Ende des sichtbaren Lichts an. Man bezeichnet den Teil des Spektrums von 0,7 tex2html_wrap_inline5825m bis zu einer Wellenlänge von 1000 tex2html_wrap_inline5825m als Infrarotspektrum. Dieses Infrarot- oder kurz IR- Spektrum, wird oft willkürlich in verschiedene Bänder unterteilt, da es in der Fachliteratur keine einheitliche Nomenklatur gibt (Tabelle 2.1). Die Begriffe nahes, mittleres und fernes Infrarot sollten vermieden werden, da viele Autoren damit unterschiedliche Wellenlängenbereiche meinen.

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Tabelle 2.1:   Aufteilung des Infrarot-Spektrums. Die Begriffe nahes, mittleres und fernes Infrarot sind am besten zu vermeiden, da sie keine anerkannte Nomenklatur darstellen.

Auch bei den strahlungsphysikalischen Größen fehlt eine einheitliche Darstellung. Oft werden in der Fachliteratur verschiedene physikalische Größen mit dem gleichen Ausdruck bezeichnet. Deshalb sollen hier die wichtigsten strahlungsphysikalischen Größen aufgezählt und erklärt werden:

Die relevanten physikalischen Größen, die bei der Wärmestrahlung von Bedeutung sind, werden durch die Gesetze von Planck, Stefan-Boltzmann, Wien und Kirchhoff beschrieben.

Im thermischen Gleichgewicht ist die Temperatur überall konstant. Das heißt aber nicht, daß ein Körper, der die gleiche Temperatur wie seine Umgebung hat, keine Wärmestrahlung aussendet oder absorbiert. In diesem Fall empfängt er lediglich genausoviel Energie, wie er an die Umgebung abgibt. Ist ein Körper wärmer als das Temperaturbad, in dem er sich befindet, strahlt er mehr Wärme, bzw. Energie ab, als er absorbiert. Die Differenz zwischen Emission und Absorption führt zur Abkühlung eines Körpers.

Die Abstrahlungsleistung einer Oberfläche hängt sowohl von ihrer Temperatur als auch von ihrer Beschaffenheit ab. Der Bruchteil der Strahlung, der absorbiert wird, heißt Absorptionsgrad tex2html_wrap_inline5845 einer Fläche. Komplementär dazu ist der Reflexionsgrad r, der sich aus tex2html_wrap_inline5849 ergibt. Absorbtions- und Reflexionsgrad zeigen Dispersion, d.h. sie sind von der Frequenz abhängig.

Eine Fläche, für die tex2html_wrap_inline5851 gilt, heißt schwarz für die Frequenz tex2html_wrap_inline5853. Gilt dies für alle Frequenzen tex2html_wrap_inline5845, wird die Fläche einfach als schwarz bezeichnet. Ein Körper, dessen Oberfläche in diesem Sinne schwarz ist, nennt man schwarzen Strahlergif.

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Abbildung: Schematische Darstellung der Messung der Hohlraumstrahlung. Ein Hohlraum befindet sich in einem Wärmebad der Temperatur T. Die innere Oberfläche des Hohlraums ist schwarz. Die Intensitätsverteilung der austretenden Wärmestrahlung wird mit einem Spektrometer gemessen. Quelle: [Haken and Wolf, 1980].

Eine schwarze Fläche absorbiert alle auftreffende Strahlung. Je besser eine Fläche absorbiert, desto besser strahlt sie ab. Dem zufolge absorbieren schwarze Flächen nicht nur am besten, sondern strahlen auch am besten Energie ab. Daher ist es sinnvoll, die abgestrahlte Leistung P aller Flächen auf die Leistung tex2html_wrap_inline5859 einer schwarzen Fläche zu beziehen, für die tex2html_wrap_inline5861 gilt. Daraus ergibt sich das Strahlungsgesetz von Kirchhoff:


 eqnarray195

Aus der Betrachtung der experimentellen Resultate von schwarzen Strahlern stellte Planck im Jahre 1900 die Strahlungsformel auf. Dazu postulierte Planck die Quantelung der Energie bei der Wechselwirkung von Licht und Materie und führte das Plancksche Wirkungsquantum h ein. Betrachtet man die Herleitung der Planckschen Formel nach Einstein (1917), werden drei verschiedene Arten der Wechselwirkungen von elektromagnetischer Strahlung mit einem Atom genannt: Absorption, spontane Emission und induzierte Emission.

Die spektrale spezifische Ausstrahlung tex2html_wrap_inline5865 eines schwarzen Strahlers hat die Form der Planckschen Strahlungskurve:


 eqnarray204


tabular215

Die Herleitung der Planckschen Strahlungsformel findet sich in Standardwerken der klassischen und statistischen Thermodynamik (z.B. [Kittel, 1989], [Reif, 1985], [Bergmann and Schäfer, 1974]). Das Plancksche Gesetz beschreibt die Verteilung des Strahlungsflußes eines Oberflächenelementes der Quelle auf das Spektrum der abgestrahlten Wellenlängen. In Abbildung 2.3 sind die Planck-Kurven für vier verschiede Temperaturen abgebildet. Es ist deutlich zu erkennen, daß die Fläche unter der Planck-Kurve mit zunehmender Temperatur stark anwächst und sich das Maximum der Emision für höhere Temperaturen zu kleineren Wellenlängen hin verschiebt.

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Abbildung: Die Intensitätsverteilung der Wärmestrahlung nach dem Planckschen Strahlungsgesetz für vier verschiedene Temperaturen. Die Fläche unter der Planck-Kurve wächst mit zunehmender Temperatur stark an (Stefan-Boltzmann Gesetz). Das Maximum der Emission verschiebt sich für höhere Temperaturen zu kleineren Wellenlängen hin.

Die Plancksche Strahlungsformel enstand aus der Verknüpfung des Gesetzes von Rayleigh-Jeans und Wien. Das Rayleigh-Jeans Gesetz war aus der klassischen Elektrodynamik abgeleitet und experimentell bestätigt. Wenn das Produkt tex2html_wrap_inline5873 in Gleichung 2.6 sehr groß ist, läßt sich die Exponentialfunktion in einer Taylorreihe entwickeln [Kittel, 1989]. Wenn Terme höherer Ordnung vernachlässigt werden, vereinfacht sich die spektrale spezifische Ausstrahlung (2.6) zu:


 eqnarray240

Dieses Gesetz gilt nur für große Wellenlängen tex2html_wrap_inline5875, denn bei der Integration über alle Freqenzen führt dies unweigerlich zu der sogenannten Ultraviolett- Katastrophe. Die zweite Teillösung, die bis dahin existierte, war das Wiensche Strahlungsgesetz. Wenn das Produkt tex2html_wrap_inline5873 sehr klein ist, gilt tex2html_wrap_inline5879, und es ergibt sich für Gleichung 2.6:


 eqnarray248

Dieses Gesetz lieferte eine gute Approximation für kleine Wellenlängen tex2html_wrap_inline5875, ist allerdings für große Wellenlängen falsch. Den Teil im Spektrum, für den das Gesetz näherungsweise richtig ist, bezeichnet man als Wienschen Ast. Erst durch Planck wurde die korrekte Strahlungsformel gefunden, die das Gesetz von Wien und das Gesetz von Raleigh-Jeans als Grenzfälle ausweist.

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Abbildung: Abweichung der beiden Näherungslösungen von Wien und Rayleigh-Jeans gegenüber dem Planckschen Strahlungsgesetz für eine Temperatur von tex2html_wrap_inline5883 (untere Achse) und allgemein für das Produkt tex2html_wrap_inline5873 (obere Achse).

In Abbildung 2.4 ist die Abweichung der beiden Näherungslösungen von Wien und Rayleigh-Jeans gegenüber dem Planckschen Strahlungsgesetz für eine Temperatur von tex2html_wrap_inline5883 (untere Achse) und allgemein für tex2html_wrap_inline5873 (obere Achse) dargestellt.

Wird die spezifische spektrale Ausstrahlung tex2html_wrap_inline5865 über alle Wellenlängen integriert, erhält man die Fläche unter der Planck-Kurve für eine bestimmte Temperatur und somit die spezifische Ausstrahlung. Die spezifische Ausstrahlung R(T) ergibt sich dadurch als einfache Funktion der Temperatur T, wobei gilt:


 eqnarray263

das Stefan-Boltzmann Gesetz mit tex2html_wrap_inline5897 Wmtex2html_wrap_inline5899 Ktex2html_wrap_inline5901.

Das Maximum der Emissionsleistung tex2html_wrap_inline5903 nach der Planckschen Strahlungsformelgif erhält man durch Differenzieren der Funktion 2.6 nach der Wellenlänge tex2html_wrap_inline5875:


 eqnarray278

Neben der trivialen Lösung tex2html_wrap_inline5907 ergibt sich für das Maximum tex2html_wrap_inline5903 die Bedingung:


 eqnarray288

Diese Bedingung wird als Wiensches Verschiebungsgesetzgif bezeichnet.


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