Als Radiometrie bezeichnet man die quantitative Messung von Strahlungsintensitäten. Welcher
Bruchteil der emittierten Strahlung von einem Detektor in ein Signal umgewandelt wird, hängt
neben der Geometrie und Art der strahlenden Oberfläche wesentlich von der Detektorgeometrie ab.
Reale Objekte wie die Wasseroberfläche emittieren weniger Strahlung als ein schwarzer
Strahler. Das Verhältnis der Emission zu der eines schwarzen Strahlers bei gleicher
Temperatur wird als spektrale Emissivität
bezeichnet und hängt
von der Wellenlänge ab. Für die gesamte Strahlungsbilanz eines realen Körpers ergibt
sich aus Gründen der Energieerhaltung [Wolfe and Zissis, 1978]:
Dabei ist
der Bruchteil der auftreffenden Strahlung, der den Körper
durchdringt, ohne absorbiert zu werden, und
der Bruchteil, der an
der Oberfläche reflektiert wird.
Die Wasseroberfläche verhält sich für Beobachtungswinkel, die kleiner als 55
gegen die Oberflächennormale geneigt sind, wie ein Lambertscher Strahler
[Gaussorgues, 1994].
Für einen abbildenden Infrarotdetektor ergibt sich, daß unabhängig von der Entfernung
und der Neigung einer Lambertscher Oberfläche, die Strahldichte gemessen
wird [Haußecker, 1996], und so eine eindeutige Zuordnung der Temperatur der Oberfläche
möglich ist.
Die gesamte spezifische Ausstrahlung R(T) (Gleichung 2.9) einer Oberfläche
entspricht der Fläche unter der Planck-Kurve. Ein Detektor, der nur innerhalb eines
bestimmten Spektralbereichs
empfindlich ist, empfängt nur den Teil
der gesamten spezifischen Ausstrahlung der Oberfläche.
Das Integral (2.13) liefert unabhängig von der Wahl des Spektralbereichs immer eine
eindeutige Abhängigkeit von der Temperatur, da die Plancksche Strahlungskurve eines
Körpers höherer Temperatur immer über der eines Körpers mit niedrigerer Temperatur liegt. Somit
kann die Wahl des empfindlichen Spektralbereichs eines Detektors nach anderen Gesichtspunkten, wie
z.B. dem thermischen Kontrast, optimiert werden.
Als thermischen Kontrast bezeichnet man das Verhältnis zwischen der Intensität in einem
Wellenlängenintervall der Strahlung eines Objektes mit der Temperatur
vor einem
Hintergrund mit der Temperatur
und der Gesamtintensität. In
Abbildung 2.5
ist der thermische Kontrast für die Spektralbereiche von 3-5
m und 8-12
m bei
verschiedenen Temperaturen graphisch dargestellt. Dieser ist für den Spektralbereich
von 3-5
m wesentlich größer als für 8-12
m, da dort die Planck-Kurve exponentiell
ansteigt, während sie bei 8-12
m ihr Maximum erreicht.
Mit Hilfe der Relationen
und
kann die spektrale, spezifische
Ausstrahlung (Gleichung 2.6) in eine photonbezogene Strahlungsdichte umgerechnet
werden. Diese gibt die Anzahl der emittierten Photonen pro Sekunde, Raumwinkel, Fläche und
Wellenlänge an. Daraus kann abgeschätzt werden, daß bei einer Temperatur von 20
C
und einer Wellenlänge von 4
m ungefähr
Photonen auf ein Detektorelement
einfallen [Jähne and Haußecker, 1996]. Schon nach kurzer Zeit wäre der
Detektor überbelichtet. Durch Kühlung des Detektorarrays kann die Anzahl der Photonen erheblich
reduziert werden (Stefan-Boltzmann Gesetz,
). Diese Eigenschaft der Infrarot-Radiometrie
macht kommerzielle Bildsensoren im infraroten Spektralbereich sehr teuer, da diese gekühlt
werden müssen.
Als Detektoren für Strahlungsintensitäten werden hauptsächlich Thermoelemente, Bolometer und Halbleiterdetektoren verwendet:
Hauptbestandteil der verwendeten Meßapparatur ist eine Infrarot-Kamera. Jedes
Sensorelement des CCD-Chips
der Kamera stellt einen Halbleiter-Detektor für elektromagnetische Strahlung
in einem bestimmten Wellenlängenbereich dar. Die mit dem CCD-Chip gemessene Intensität
hängt von der Temperatur ab. Somit stellt die Kamera zusammen mit der verwendeten
Infrarotoptik eine Anordnung dar, mit der die Temperaturverteilung einer Strahlungsquelle
bestimmt werden kann.