Das eigentliche Ziel der Simulation war es, anhand der
theoretischen Abklingkurven, den tatsächlichen Verlauf der
gemessenen Kurven vorherzusagen und daraus die Einstellzeit,
bzw. mittlere Lebensdauer
zu ermitteln. Dazu müssen
die Abklingkurven parametrisiert werden.
Der Fall des eindimensionalen Transportes von Wärme in die
Tiefe wurde von [Reinelt, 94] untersucht. Dabei wurde mit dem
Laser die Wasseroberfläche in Form einer Linie senkrecht zur
Windrichtung erhitzt. Diese Wärmeverteilung driftet mit der
Oberflächenströmung und kühlt dabei ab, da die Wärme in die Tiefe transportiert wird. Bei Kenntnis der
Oberflächengeschwindigkeit kann die Richtung
der Bewegung in eine Zeitachse umgerechnet werden. Insgesamt
ergibt sich, bei konstanter Erhitzung, ein abklingender
Wärmeschleier, dessen Abklingzeit die Lebensdauer
des
Surface Renewal Modelles repräsentiert. Als Beziehung für die
dabei zu erwartende Abklingkurve ergab sich die analytische
Form ([Reinelt, 94]):
![]()
Dabei wurde die Ausgangsverteilung der Wärme nach Verlassen des
Laserbereiches als gau\3förmiges Tiefenprofil der Form
![]()
angenähert. Diese Form entspricht den simulierten
Tiefenprofilen (Abbildung 5.10-5.13) in
guter Näherung.
Gleichung (5.67) repräsentiert eine Gau\3kurve,
die sich im Laufe der Zeit verbreitert, während das Maximum als
Funktion von
abfällt. Gleichzeitig nimmt die
Gesamttemperatur durch den Erneuerungseffekt proportional zu
ab. Dieselbe analytische Form wird von
[Clark et al., 95] zur Beschreibung der Verteilung eines Gastracers in einem
flie\3enden Gewässer angegeben, wobei ein Teil des Gases durch
Austausch mit der Atmosphäre verschwindet.
Unter der Voraussetzung, da\3 die Kamera nur die Temperatur an
der Wasseroberfläche mit verschwindender Eindringtiefe sieht,
ergibt sich aus (5.67) die zu erwartende
Abklingkurve der Oberflächentemperatur für den
eindimensionalen Transport:
![]()
Es ist zu erwarten, da\3 sich auch die Abklingkurven der dreidimensionalen Simulation von isolierten Laser-Flecken näherungsweise durch diese Funktion fitten lassen. Dies gilt aus folgenden Gründen:
Abbildung 5.18 zeigt einen Fit durch die Abklingkurven
für eine Lebensdauer
s, mit und ohne
Oberflächenflu\3. In beiden Fällen lä\3t sich die Funktion
der Form (5.69) perfekt anfitten. Die
Lebensdauer wird dabei durch den Fit nahezu exakt
wiedergegeben. Es ergibt sich der Wert
s (ohne Oberflächenflu\3) und
s (mit Oberflächenflu\3).
decay4

Abbildung: Abklingkurve des Laserfleckes für eine Lebensdauer
von
s, mit und ohne Oberflächenflu\3. Die
durchgezogene Kurve zeigt einen Fit mit der Funktion (5.69).
Bei längeren Lebensdauern macht sich jedoch der zu kleine Ausschnitt der gesamten Kurve bemerkbar. Je grö\3er die Lebensdauer wird, desto schlechter geben die Fitkurven die Lebensdauer wieder.
decay5

Abbildung: Abklingkurve des Laserfleckes für eine Lebensdauer
von
s, mit und ohne Oberflächenflu\3. Die
durchgezogene Kurve zeigt einen Fit mit der Funktion (5.69).
Für
s divergiert der Fit
für die Abklingkurve mit Oberflächenflu\3 und es lä\3t sich
keine Aussage über die Lebensdauer machen. Abbildung
5.19 zeigt die Fits durch zwei Abklingkurven für
s, mit und ohne Oberflächenflu\3. Während
sich bei ausgeschaltetem Oberflächenflu\3 noch durch
genaue Kenntnis der Lebensdauer eine Fitkurve erzwingen lä\3t,
ist dies bei eingeschaltetem Oberflächenflu\3 nicht mehr
möglich. Dieses Ergebnis spiegelt die Tatsache wieder, da\3
sich alle Abklingkurven für kurze Zeiten ähneln. Erst nach
einer Zeit, die der Lebensdauer des Erneuerungseffektes
entspricht, weichen die Kurven signifikant von einander ab.
Dieses Ergebnis ist wichtig für die Interpretation der
Me\3daten. Es hatte sich bereits vor der Durchführung der
Simulation gezeigt, da\3 die Fits durch die Laserabklingkurven
nur schwer reproduzierbare Ergebnisse liefern, wobei diese mit
abnehmender Windgeschwindigkeit schlechter werden. Dies war der
Grund für die Simulation. Es galt zu verstehen, ob
die Form der Fitkurve falsch gewählt wurde oder die Me\3daten
selbst keine exakte Berechnung zulassen. Insgesamt zeigt sich
nun, da\3 sich die Me\3daten der Laserabklingkurven perfekt mit
(5.69) fitten lassen sollten, wenn die Flecken
über eine ausreichend gro\3e Zeitdauer verfolgt werden können.
Als Grenzwert für die Mindestlänge
der Abklingkurve
ergibt die Simulation den Wert
![]()
als Stabilitätskriterium, wobei die Fits bei kleineren Zeiten
divergieren. Ein optimaler Wert für die Länge der
Abklingkurven liegt bei etwa
.