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Emission teilweise transparenter Körper

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  figure1108
Abbildung: Emission und Absorption von Strahlung in teilweise transparenten Medien. Der Grauwert der Pfeile symbolisiert die Abnahme bzw. Zunahme der Strahlung beim Durchqueren des Mediums.

Für Körper endlicher Transmissivität sind die Absorption, die Emission und die Transmission von Strahlung keine reinen Oberflächeneigenschaften mehr. Der auftreffende Strahlungsflu\3 wird zu einem Bruchteil tex2html_wrap_inline12356 direkt an der Oberfläche reflektiert. Der Rest dringt zunächst in den Körper ein und wird auf seinem Weg durch das Objekt zunehmend absorbiert. Gleichzeitig setzt sich der abgestrahlte Flu\3 aus Beiträgen verschiedener Tiefenschichten zusammen (Abb. 2.9). Die Absorption tex2html_wrap_inline12238 und die Transmissivität tex2html_wrap_inline12236 beschreiben somit nur den Nettoeffekt dessen, was insgesamt absorbiert wird, bzw. beim Verlassen des Körpers noch vom eingedrungenen Flu\3 übrig ist. Um zu berechnen, wie sich die absorbierte Strahlung auf unterschiedliche Tiefen verteilt und welche Leistung in einer bestimmten Tiefe durch Emission verloren geht, ist eine zusätzliche Information nötig: die Eindringtiefe der Strahlung.

Zum Berechnen der Abklingkurve der eingedrungenen Strahlung wird das Medium in Schichten der Dicke dz entlang des optischen Pfades zerlegt (Abb. 2.9). Experimentell zeigt sich, da\3 die pro Schicht absorbierte Strahlung tex2html_wrap_inline11972 proportional zur auftreffenden Strahlung tex2html_wrap_inline11946 und zur Schichtdicke ist, d. h.:
 equation526
Die Proportionalitätskonstante tex2html_wrap_inline12368 wird als Absorptionskoeffizient des Mediums bezeichnet. Er hat die Einheit einer reziproken Länge. Der Kehrwert tex2html_wrap_inline12370 wird als Eindringtiefe der Strahlung bezeichnet. Der Absorptionskoeffizient ist wellenlängen- und temperaturabhängig und mu\3 experimentell ermittelt werden.

Als Lösung der Differentialgleichung (2.33) erhält man die Abklingkurve des Strahlungsflusses
 equation533
Der Strahlungsflu\3, der bei z = 0 in das Medium eindringt, wird mit tex2html_wrap_inline12334 bezeichnet. Für eine Schicht der Dicke z ist der Transmissionsfaktor tex2html_wrap_inline12378 gegeben durch:
equation539
Nach dem Durchqueren eines Körpers der Dicke z verlä\3t somit der Bruchteil tex2html_wrap_inline12382, der ursprünglich eingedrungenen Strahlung den Körper, der Rest wurde auf dem Weg absorbiert.

Da zwischen benachbarten Schichten innerhalb desselben Mediums keine Reflexion stattfindet, ergibt sich damit die Emissivität tex2html_wrap_inline12270 einer Schicht der Dicke z zu
 equation545
Diese beiden Grö\3en beschreiben wiederum den Nettoeffekt der gesamten Schicht von der Oberfläche bis zur Tiefe z. Eine unendlich dünne Schicht (z = 0) ist somit vollständig transparent und eine unendlich dicke Schicht absorbiert alle Strahlung. Den Beitrag der einzelnen Schichten in verschiedenen Tiefen zur Emission erhält man aus (2.36) durch differenzieren:
equation550
und damit die differentielle Emissivität tex2html_wrap_inline12390 einer Schicht der Dicke dz in einer Tiefe z:
 equation556

Diese Grö\3e wird wichtig für die Berechnung der Gesamtstrahlungsemission eines teilweise transparenten Körpers in die gesamte Hemisphäre (Kapitel 2.5.2).

Eine Schicht der Dicke der Eindringtiefe tex2html_wrap_inline12396 direkt an der Oberfläche des Mediums (z = 0) hätte somit die differentielle Emissivität tex2html_wrap_inline12400 und damit die Transmissivität tex2html_wrap_inline12402. Die Eindringtiefe stellt daher anschaulich die Dicke dar, aus der effektiv der gesamte Strahlungsflu\3 kommt, bzw. in der die gesamte eindringende Strahlung deponiert wird.

Die differentielle Strahlstärke tex2html_wrap_inline12404, die von einer Schicht der Temperatur T(z) in der Tiefe z des Mediums senkrecht zur Oberfläche emittiert wird, ergibt sich mit (2.38) zu
equation563
wobei tex2html_wrap_inline12410 die Strahlstärke eines schwarzen Körpers der Temperatur T(z) darstellt. Die differentiellen Strahlstärken der verschiedenen Tiefenschichten summieren sich zur Gesamtstrahlstärke der Strahlung, die die Oberfläche des Körpers verlä\3t, also
 equation565
Die Dicke des Körpers entlang des optischen Pfades wird mit tex2html_wrap_inline12414 bezeichnet. Für tex2html_wrap_inline12416 geht der Exponentialfaktor weit vor der oberen Integrationsgrenze gegen Null und die Integration kann von 0 bis tex2html_wrap_inline12418 durchgeführt werden.

Mit diesem Ergebnis kann nun berechnet werden, welche Strahlung bei einer gegebenen Temperaturverteilung innerhalb des Mediums die Oberfläche verlä\3t. Dies wird wichtig, wenn für die Wasseroberfläche die Abstrahlung und das Kamerabild berechnet werden sollen. Für zwei Spezialfälle lä\3t sich die Integration (2.40) allgemein durchführen:

a)
Konstante Temperatur innerhalb des Mediums. Mit tex2html_wrap_inline12420 und tex2html_wrap_inline12422 ergibt sich aus (2.40)
equation575
Für ein unendlich ausgedehntes Medium homogener Temperatur tex2html_wrap_inline12320 ergibt sich als Nettostrahlstärke die eines schwarzen Strahlers der Temperatur tex2html_wrap_inline12320. Ein Strahlungsthermometer sieht damit die Oberflächentemperatur. Wenn der Körper nicht viel dicker ist als die Eindringtiefe tex2html_wrap_inline12428, so ergibt sich noch ein Anteil der transmittierten Strahlung. Die Gesamtemissivität ist dann kleiner als 1, aber man mi\3t nach Abzug der Strahlung, die von der Umgebung durch den Körper transmittiert wurde, immer noch die Temperatur eines grauen Körpers.

b)
Temperaturgradient innerhalb des Mediums. Sei die Temperatur in Abhängigkeit von der Tiefe z so verteilt, da\3 sich ein linearer Gradient der Strahlstärke I ergibt (der Temperaturgradient ist somit nicht linear; bei kleinen Gradienten ist die Abweichung von einem linearen Temperaturgradienten jedoch gering). Damit wird tex2html_wrap_inline12410 zu tex2html_wrap_inline12436, wobei tex2html_wrap_inline12438 die Strahlstärke eines schwarzen Strahlers der Temperatur tex2html_wrap_inline12320 an der Oberfläche darstellt. Aus (2.40) ergibt sich damit:
eqnarray581
Ein Strahlungsthermometer sieht also nicht mehr die Oberflächentemperatur, sondern eine erhöhte bzw. erniedrigte Temperatur für steigende bzw. fallende Temperaturgradienten. Im Falle eines linearen Strahlstärkegradienten entspricht die abgestrahlte Strahlstärke der eines schwarzen Strahlers in der Tiefe, die genau der Eindringtiefe der Strahlung entspricht. Man kann daher grob sagen, da\3 man mit einem Detektor, der bei einer bestimmten Wellenlänge empfindlich ist, die Temperatur in der Tiefe tex2html_wrap_inline12442 mi\3t.

Die Ergebnisse dieses Abschnitts gelten nur für die Strahlung, die entlang des optischen Pfades senkrecht zur Oberfläche abgestrahlt wird, d. h. für die Strahlstärke I und die Strahldichte L senkrecht zur Oberfläche (tex2html_wrap_inline12448). Interessiert man sich für die spezifische Ausstrahlung R in die gesamte Hemisphäre oberhalb der Oberfläche, gilt nicht mehr der einfache Zusammenhang tex2html_wrap_inline12452 (2.19). Auf dieses Problem wird in (Kapitel 2.5.2) weiter eingegangen.


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Horst Haussecker
Tue Jan 14 19:32:36 MET 1997