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Parallele Oberflächen teilweise transparenter Medien

Bei der Herleitung der Strahlungsrandbedingung für nichttransparente Oberflächen wurde davon ausgegangen, da\3 die unter beliebigen Winkeln emittierte Strahlung ohne Verluste die gegenüberliegende Oberfläche erreicht. Wenn sich zwischen den beiden Körpern ein absorbierendes Medium befindet, wird die Strahlung jedoch beim Transport absorbiert, umso mehr, je grö\3er die Weglänge zwischen Emissions- und Absorptionspunkt ist. Die Strahlstärke wird damit richtungsabhängig.

Ein Anwendungsfall, für den dies wichtig wird, ist die Emission von Strahlung an der freien Ozeanoberfläche. In klaren Nächten kann die scheinbare Temperatur des Himmels bis zu tex2html_wrap_inline12526C unter der Temperatur der Ozeanoberfläche liegen ([McAllister, McLeish, 69]). Dies führt zu einer Auskühlung der Meeresoberfläche, die mit der Infrarotkamera beobachtet werden kann. Der Nachthimmel verhält sich dabei wie ein unendlich ausgedehnter schwarzer Strahler. Die Meeresoberfläche selbst kann in guter Näherung als grauer Strahler mit tex2html_wrap_inline12528 aufgefa\3t werden (siehe Kapitel 2.6). Interessiert man sich nur für den Nettoflu\3, so kann direkt Gleichung (2.46) verwendet werden. Zur Berechnung der Temperaturverteilung unterhalb der Wasseroberfläche (innerhalb der oberen 1-2mm der Wasseroberfläche) mu\3 jedoch der Beitrag der einzelnen Wasserelemente in Abhängigkeit von der Tiefe berücksichtigt werden. Auf dieser mikroskopischen Skala wird daher von Volumenemission gesprochen.

wabsorb

  figure1120
Abbildung: Strahlungsaustausch zwischen einer Oberfläche und einem teilweise transparenten Medium (z. B. Wasseroberfläche).

Abbildung 2.11 zeigt die prinzipielle Anordnung zur Abschätzung der Volumenemission. Da die Absorption der Luft sehr gering ist im Vergleich zur Absorption innerhalb des Wassers und au\3erdem die Temperatur der Luft schon in der scheinbaren Temperatur des Himmels berücksichtigt ist, kann der Himmel als Oberfläche eines schwarzen Strahlers direkt an der Wasseroberfläche angenommen werden. Er stellt somit die obere Randbedingung dar, und alle Strahlung, die vom Wasser emittiert wird und die Wasseroberfläche erreicht, wird dort absorbiert.

Weiterhin kann davon ausgegangen werden, da\3 der Temperaturunterschied innerhalb des Wasserkörpers sehr klein ist im Vergleich zur Temperaturdifferenz zwischen Wasser und Himmel. Damit wird der Strahlungsaustausch innerhalb des Wassers vernachlässigbar, im Vergleich zu konvektivem und diffusivem Transport. Unter diesen Bedingungen ist der Strahlungsaustausch zwischen Himmel und einer beliebigen Wasserschicht der Austausch zwischen zwei parallelen Platten, absorbiert durch die dazwischenliegende Wasserschicht.

Im folgenden wird die Strahlung der Wellenlänge tex2html_wrap_inline11976, die von einem einzelnen Flächenelement dS in der Tiefe z unterhalb der Wasseroberfläche emittiert wird betrachtet. Das hochgestellte tex2html_wrap_inline11976 an den verschiedenen strahlungsphysikalischen Grö\3en bezeichnet im folgenden abkürzend die spektralen Grö\3en. Die differentielle Dicke der Schicht ist dabei dz (Abb. 2.11). Für den Flu\3 tex2html_wrap_inline12540, den dS unter dem Winkel tex2html_wrap_inline11962 gegen die Normale in den Raumwinkel tex2html_wrap_inline11936 emittiert, gilt nach dem Lambertschen Cosinus-Gesetz (2.18):
 equation666
Dabei ist tex2html_wrap_inline12548 die differentielle Emissivität des Wasserelementes dS (2.38) für Strahlung der Wellenlänge tex2html_wrap_inline11976.

Unter verschiedenen Winkeln ist die Weglänge l der Strahlung durch die darüberliegende Wasserschicht unterschiedlich lang. Aus Abbildung 2.11 ergibt sich:
equation676
Die Weglänge l der Strahlung bis zur Wasseroberfläche ersetzt für beliebige Winkel die Tiefe z in Gleichung (2.38) und man erhält tex2html_wrap_inline12548:
 equation682
Aus (2.52) und (2.54) folgt:
 equation690

Analog zu (2.19) erhält man für ein Wasserelement dS in der Tiefe z die spezifische Ausstrahlung tex2html_wrap_inline12566 in die Hemisphäre oberhalb der Wasseroberfläche durch Integration von (2.55) über die gesamte Hemisphäre. Es mu\3 betont werden, da\3 es sich dabei nicht um die spezifische Ausstrahlung in die umgebende Wasserschicht handelt, sondern um den Teil, der die Wasseroberfläche erreicht. Mit tex2html_wrap_inline12098 ergibt sich dieses Integral zu
  eqnarray701
Die z-Abhängigkeit reduziert sich daher auf das Integral tex2html_wrap_inline12572, das von der dimensionslosen Einheit (tex2html_wrap_inline12574) abhängt. Für z = 0 fällt der Exponentialfaktor weg und es ergibt sich tex2html_wrap_inline12578. Für gro\3e z (tex2html_wrap_inline12582) geht der Exponentialfaktor gegen Null und damit auch tex2html_wrap_inline12572. Der allgemeine Verlauf lä\3t sich analytisch nicht lösen.

Nach numerischer Integration lä\3t sich tex2html_wrap_inline12572 in guter Näherung mit einer Exponentialfunktion fitten. Es zeigt sich:
 equation724

numfit

  figure1126
Abbildung: Funktion tex2html_wrap_inline12572 im Vergleich zur gefitteten Lösung.

Abbildung 2.12 zeigt die numerische Lösung, zusammen mit der gefitteten Funktion im Vergleich zu (tex2html_wrap_inline12590). Wird (2.58) in (2.57) eingesetzt, so ergibt sich
 equation733
mit der tiefenabhängigen, differentiellen Emissivität
equation740
Ein Vergleich von (2.59) mit (2.19) zeigt, da\3 dies anschaulich der Bruchteil der Strahlung ist, die ein Wasserelement mit dem Volumen tex2html_wrap_inline12592 in der Tiefe z in den gesamten Halbraum oberhalb der Wasseroberfläche abstrahlt, im Vergleich zur spezifischen Ausstrahlung eines Oberflächenelementes dS eines schwarzen Strahlers.

Im Vergleich zur Absorption der Strahlstärke entlang der optischen Achse senkrecht zur Oberfläche, nimmt die spezifische Ausstrahlung in die gesamte Hemisphäre schneller mit der Tiefe ab. Für die Volumenemission ist der effektive Absorptionskoeffizient daher ca. 1.5 mal so gro\3 wie der für die lineare Absorption.

lambdepth

  figure1132
Abbildung: Emissionsverhalten tieferer Wasserschichten. Mit zunehmender Tiefe wird die Abstrahlcharakteristik tieferer Schichten zunehmend Nicht-Lambertsch. Der effektive Strahlungswinkel wird mehr und mehr eingeschränkt und die Abstrahlung senkrecht zur Oberfläche bevorzugt.

Abbildung 2.13 illustriert dieses Ergebnis graphisch. Ein Wasserelement direkt an der Oberfläche kann frei in alle Richtungen emittieren. Durch die teilweise Transparenz kann es nur mit der differentiellen Emissivität strahlen, dies aber wie ein Lambertscher Strahler. Mit zunehmender Tiefe wird der effektive Öffnungswinkel der Strahlung mehr und mehr eingeschränkt. Ein Wasserelement sieht somit effektiv nur einen Teil des Himmels und strahlt daher auch nur einen Bruchteil dessen ab, was es an der Oberfläche in die gesamte Hemisphäre strahlen würde. Die Abstrahlungscharakteristik ist somit nicht mehr Lambertsch, sondern wird zu immer schmäleren Ellipsen deformiert.

Aus geometrischen Überlegungen (Abb. 2.11) ergibt sich analog zu Kapitel 2.5.1, da\3 der gesamte von dS abgestrahlte Flu\3 dem Betrag nach von einem direkt darüber liegenden Oberflächenelement des Himmels absorbiert wird. Dieses emittiert seinerseits die Strahlungsdichte tex2html_wrap_inline12600 in den gesamten Halbraum des unter ihm liegenden Wasserkörpers. Dort verteilt sich die Strahlung im Volumen, wobei das Wasserelement dS den Bruchteil tex2html_wrap_inline12604 davon absorbiert:
equation755

Die spezifische Ausstrahlung von dS ist damit insgesamt:
 eqnarray762
wobei tex2html_wrap_inline12608 die spektrale spezifische Ausstrahlung eines schwarzen Strahlers der Temperatur T ist. Für die reale Wasseroberfläche mu\3 dieser Wert noch mit der Emissivität tex2html_wrap_inline12612 der Wasseroberfläche (siehe Kapitel 2.6) multipliziert werden.

Im Verlauf der Herleitung von (2.63) wurde der Absorptionkoeffizient tex2html_wrap_inline12368 als Konstante behandelt. In Wirklichkeit ist dieser stark wellenlängenabhängig. Die Argumentation wurde aber für beliebige Wellenlängen der Strahlung durchgeführt (hochgestelltes tex2html_wrap_inline11976). Gleichung (2.63) ist daher schon die spektrale Form und mu\3 nur noch umgeschrieben werden zu
 equation781

Den gesamten Strahlungsverlust eines Wasserelements dS in der Tiefe z erhält man durch Integration von (2.51) über alle Wellenlängen:
 equation791


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Horst Haussecker
Tue Jan 14 19:32:36 MET 1997