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Unscharfe Abbildung eines Kalibrierkörpers

Man behilft sich normalerweise dadurch, da\3 eine kleine Kalibrierquelle in der Nähe der Kamera in den Strahlengang der Kamera eingeblendet wird. Wenn das Objektiv auf ferne Objekte scharf eingestellt ist, so wird das Kalibrierobjekt nur unscharf auf das Detektorarray abgebildet werden. Wird auf die Kalibrierfläche fokusiert, dann verändert man den Geometriefaktor tex2html_wrap_inline13094 in (3.11). Es stellt sich somit die Frage, ob es möglich ist, die Kalibrierfläche unscharf abzubilden und trotzdem die richtige Temperaturkalibrierung durchzuführen?

linsebb

  figure1816
Abbildung: Unscharfe Abbildung eines Kalibrierkörpers im Strahlengang.

In Abbildung 3.3 sind die geometrischen Verhältnisse bei der Kalibrierung dargestellt. Die Fläche S befindet sich im Abstand g von der Linse. Sie wird scharf auf die Fläche A des Detektors abgebildet. Das Bild eines Punktes in der Mitte von S ist wieder ein Punkt in der Mitte von A. Die Fläche des Kalibrierkörpers wird mit S' bezeichnet. Sie befindet sich im Abstand g' von der Linse. Die Ebene maximaler Schärfe wandert daher vom Detektorarray weg in die Enfernung b'. Dort wird ein Punkt von S' fokusiert. Auf dem Detektorarray wird er nur unscharf abgebildet. Dies ist in Abbildung 3.3 als gau\3förmiger Verlauf des empfangenen Strahlungsflusses dargestellt.

Der wirkliche Verlauf ergibt sich aus den genauen Eigenschaften der Abbildungsoptik und wird als Punktantwort (engl. point spread function) tex2html_wrap_inline13150 der Optik bezeichnet. Sie beschreibt die Verteilung der Intensität eines Punktes in einem bestimmten Abstand von der Schärfenebene. Der Vektor tex2html_wrap_inline13152 beschreibt die Bildkoordinaten auf der Bildebene und der Vektor tex2html_wrap_inline13154 die Koordinaten des Maximums der Funktion h. Dies befindet sich an der Stelle des Detektorarrays, auf die der Punkt bei scharfer Abbildung fokusiert werden würde. Da insgesamt nur der Flu\3 tex2html_wrap_inline12334 zur Verfügung steht, der durch die Linse gesammelt wird, mu\3 h normiert sein, d. h.
equation1291
Das Integral läuft dabei von tex2html_wrap_inline13162 bis tex2html_wrap_inline12418, da sich die Intensität eines Punktes bis über die Grenzen des Detektorarrays verteilen kann. Man erhält damit an einem Punkt tex2html_wrap_inline13152 der Bildebene den Strahlungsflu\3 tex2html_wrap_inline13168 von einem Punkt auf S', mit
equation1298

Wird die unscharfe Abbildung jedes Punktes von S' durch dieselbe Punktantwort beschrieben, so ist die Abbildung verschiebungsinvariant und die Bildentstehung kann durch die lineare Filtertheorie beschrieben werden ([Jähne, 93a]). Das gesamte Bild setzt sich aus gegeneinander verschobenen Punktantworten zusammen. An einer Position der Bildebene addieren sich die Anteile der Punktantworten aller Punkt von S' auf. Der Strahlungsflu\3 tex2html_wrap_inline11946 an der Stelle tex2html_wrap_inline13152 der Bildebene ergibt sich damit zu
 equation1305
Dabei bezeichnet tex2html_wrap_inline13180 die Verteilung des Strahlungsflusses auf der Bildebene bei scharfer Abbildung. Gleichung (3.15) stellt eine Faltung von tex2html_wrap_inline13182 mit der Punktantwort tex2html_wrap_inline13184 dar. Anschaulich wird dabei die scharfe Abbildung durch die Punktantwort der unscharfen Abbildung verschmiert.

Für den Spezialfall tex2html_wrap_inline13186, d. h. bei homogener Temperatur der Oberfläche S' ergibt sich aus (3.15):
 equation1321

Dies bedeutet, da\3 bei der Kalibrierung mit einer Fläche homogener Temperatur jedes Sensorelement des Detektorarrays denselben Strahlungsflu\3 empfängt, egal ob die Kalibrierfläche scharf oder unscharf abgebildet wird. Bei unscharfer Kalibrierung mu\3 jedoch dafür gesorgt sein, da\3 sich die Homogenität der Oberfläche über den für die Kamera sichtbaren Bereich hinaus erstreckt. Die unscharfe Abbildung von Punkten der Kalibrieroberfläche au\3erhalb der Fläche, die bei scharfer Abbildung auf das Detektorarray abgebildet würde, darf nicht die Homogenität auf der Detektorfläche stören.


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Horst Haussecker
Tue Jan 14 19:32:36 MET 1997