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Temperaturkalibrierung der Kamera

In Abschnitt 3.2.4 wurde der theoretische Temperaturverlauf der Intensität des Kamerabildes eines grauen Strahlers hergeleitet (3.21). Die Proportionalitätskonstante tex2html_wrap_inline13334 ist a priori unbekannt, da sie von verschiedenen Bauteilen, wie z. B. der Ausleseelektronik des CCD-Chips, der nachfolgenden Verstärkerelektronik und dem Analog-Digital-Wandler der Kamera abhängt. Zusätzlich ändert sich tex2html_wrap_inline13334 während des Betriebs der Kamera und bei schwankender Umgebungstemperatur.

Weitere Unbekannte stellen eventuelle Nichtlinearitäten bei der Umwandlung und der Offset des Signals dar. Dieser setzt sich aus einem Offset der Signalumwandlung in der Kamera und der, in Abschnitt 3.2.2 beschriebenen, additiven Verfälschung des Strahlungsflusses durch äu\3ere Einflüsse zusammen.

Um eine Temperaturmessung mit der Infrarotkamera durchführen zu können, mu\3 der tatsächliche Temperaturverlauf des Kamerabildes experimentell ermittelt werden. Dabei wird für Oberflächen verschiedener Temperaturen das Kamerasignal gemessen und damit eine Kalibrierkurve erstellt. Aus Abbildung 3.9 ist ersichtlich, da\3 sich der theoretische Verlauf des Signals S der Kamera in guter Näherung mit einem Polynom 2. Grades approximieren lä\3t:
 equation1453
Daher genügt es die Werte der Eichkurve für drei verschiedene Temperaturen zu messen. Die Umkehrfunktion von S liefert die gewünschte Kalibrierkurve T(S), die einem gemessenen Signal der Kamera eine Temperatur zuordnet. Als Umkehrfunktion von S(T) wächst T mit der Wurzel des Signals S (3.25). Innerhalb des engen Temperaturbereiches der Objekte, die von der Kamera gemessen werden (tex2html_wrap_inline13366C), kann die Wurzelfunktion auch als Polynom 2. Grades genähert werden. Dies ergibt den gesuchten Zusammenhang:
 equation1457

Die drei Messungen des Signals S für die Temperaturen tex2html_wrap_inline12322, tex2html_wrap_inline12324 und tex2html_wrap_inline13374 liefern das lineare Gleichungssystem
eqnarray1460

Die Parameter tex2html_wrap_inline13376, tex2html_wrap_inline13378 und tex2html_wrap_inline13380 der Kalibrierkurve ergeben sich damit zu:
 eqnarray1481

Bei einem Infrarotscanner wird mit einem einzelnen Sensorelement der Fläche dA die gesamte Fläche A der Bildebene abgescannt und so ein Bild erzeugt. In diesem Fall genügt es eine kleine Kalibrierquelle zu verwenden, da nur ein Sensorelement kalibriert werden mu\3. Gleichung (3.27) mu\3 nur einmal gelöst werden.

Im Falle einer Infrarot-CCD-Kamera mu\3 für jedes einzelne Sensorelement des Detektorarrays eine Kalibrierkurve bestimmt werden, da jedes einzelne einen Detektor mit unterschiedlicher Kennlinie darstellt. Die Parameter tex2html_wrap_inline13376, tex2html_wrap_inline13378 und tex2html_wrap_inline13380 hängen daher von der Position tex2html_wrap_inline13152 eines Pixels im Kamerabild ab und aus (3.26) wird:
 equation1497
Für den Chip der Amber Radiance 1 Kamera mit 256tex2html_wrap_inline11922256 Sensorelementen müssen 65,536 verschiedene Kalibrierkurven nach (3.27) berechnet werden.

Dies wurde in dem verwendeten Bildverarbeitungsprogrammgif automatisiert: Für drei verschiedene Temperaturen werden jeweils 100 Bilder der Oberfläche des Kalibrierkörpers (siehe Abschnitt 3.3.1) aufgenommen. Diese werden gemittelt, um das Rauschen zu unterdrücken. Die drei Mittelwertbilder werden, zusammen mit drei weiteren Bildern, welche die mit einem Thermometer gemessene Temperatur der Oberfläche enthalten, abgespeichert. Um ein beliebiges Bild der Infrarotkamera in ein Temperaturbild umzurechnen, werden die drei Bildpaare als Stützpunkte einer quadratischen Interpolation verwendet, die nach (3.27) und (3.28) für jedes Pixel das Kamerasignal in eine Temperatur umrechnet (Operator IpolPoly, [Heurisko]).

Nach dieser Kalibrierung werden Inhomogenitäten im Bild korrigiert, da für jedes einzelne Pixel der tatsächlich empfangene Strahlungsflu\3 der tatsächlichen Temperatur zugeordnet wird. Wenn der Kalibrierkörper eine homogene Oberflächentemperatur hat, so zeigt jedes Pixel nach der Kalibrierung dieselbe Temperatur, wenn die Kamera auf eine andere homogene Oberfläche gerichtet wird. Es ist daher wichtig, die Oberflächentemperatur des Kalibrierkörpers über den gesamten, für die Kamera sichtbaren Bereich, homogen zu halten. Au\3erdem mu\3 sie genau me\3bar sein, um mit der Kamera eine quantitative Temperaturmessung durchführen zu können. Die Oberfläche des Kalibrierkörpers sollte weiterhin eine Emissivität tex2html_wrap_inline13396 aufweisen, d. h. einen schwarzen Strahler so gut wie möglich approximieren. Nur so wird gewährleistet, da\3 die Kamera die Temperatur der Oberfläche sieht und nicht einen verfälschten Strahlungsflu\3 durch reflektierte Streustrahlung unbekannter Temperatur.

Diese Anforderungen haben zu der Entwicklung einer speziellen Kalibriereinrichtung geführt, die im folgenden vorgestellt wird.




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Horst Haussecker
Tue Jan 14 19:32:36 MET 1997