Für das laminare Geschwindigkeitsfeld wird eine eindimensionale
Scherströmung an der Wasseroberfläche angesetzt:

Das gemittelte Geschwindigkeitsfeld besteht nur aus einer
Komponente in horizontaler Richtung, die linear mit der Tiefe
abnimmt. Diese Richtung stimmt mit der Windrichtung überein und wird
willkürlich mit der x-Achse des verwendeten Koordinatensystems
gleichgesetzt.
Das vereinfachte Geschwindigkeitsprofil nach
(4.10) ist innerhalb der thermischen Grenzschicht mit
einer Dicke von 200
m bis 1mm näherungsweise gültig.
Ausgehend von der Driftgeschwindigkeit
der obersten
Wasserschicht, nimmt die Geschwindigkeit zunächst linear mit
der Tiefe ab, flacht dann jedoch ab und geht in das bekannte
logarithmische Geschwindigkeitsprofil über. Für gro\3e Tiefen
geht
gegen Null. Der Übergang vom linearen
in das logarithmische Profil erfolgt stetig. Der lineare
Verlauf lä\3t sich jedoch näherungsweise bis in eine
Tiefe, die der Dicke der viskosen Grenzschicht entspricht, fortsetzten.
Diese beträgt bei Windwellen etwa 1 bis 2mm ([Jähne, 80],
[Dieter et al., 95], [Hering, 96]). Die Eindringtiefe
für Strahlung, die von der Kamera detektiert werden kann
(3-5
m), liegt zwischen 1 und 100
m.
Innerhalb dieser - für die Kamera sichtbare - Wassertiefe
ist das lineare Profil daher eine gute Näherung der
physikalischen Realität.
Mit (4.10) ergibt sich der laminare
Konvektionsterm in Gleichung (4.9) zu:
![]()
Für eine horizontal homogene Temperaturverteilung wird dieser Term Null. Da der Laser während der Messung die Wasseroberfläche nur lokal aufheizt, ist diese Bedingung nicht erfüllt und der Beitrag der laminaren Konvektion (4.11) mu\3 bei der Simulation der Laser-Anklingkurven (Kapitel 5) berücksichtigt werden.
Zur Durchführung der Simulation der Vorgänge in der Grenzschicht (Kapitel 5) mu\3 der
Geschwindigkeitsgradient
der
Grenzschicht für unterschiedliche Windgeschwindigkeiten bekannt
sein. Dieser ist direkt proportional zur viskosen
Schubspannung
im Wasser:
![]()
Dabei bezeichnet
die molekulare Viskosität von Wasser. Bei einer Temperatur von
20
C hat sie den Wert
Kgm
s
. Mit der Definition der
wasserseitigen Schubspannungsgeschwindigkeit
([Jähne, 80])
![]()
ergibt sich für den Geschwindigkeitsgradienten:
![]()
Die Konstante
wird als dynamische
Zähigkeit von Wasser bezeichnet. Mit der Dichte
von Wasser
nimmt sie bei 20
C den Wert
cm
s
an. Sie entspricht der Diffusionskonstanten für Impuls senkrecht zur Strömungsrichtung (4.5). Die Schubspannungsgeschwindigkeit
beschreibt den vom Wind induzierten Impulsflu\3 in
den Wasserkörper.
Der Geschwindigkeitsgradient an der Wasseroberfläche ergibt
sich demnach direkt aus der Schubspannungsgeschwindigkeit
in Wasser. Diese mu\3 experimentell bestimmt
werden. Aus Messungen verschiedener Autoren ergaben sich, sowohl
für die Windkanäle in Delft und Heidelberg, als auch für den
Ozean, heuristische Formeln, nach denen
für verschiedene
Windgeschwindigkeiten
abgeschätzt werden kann. Diese sind im folgenden aufgelistet:
Die wasserseitige Schubspannungsgeschwindigkeit
ergibt sich zu
![]()
Dabei gilt für die Einheiten:
=
1cm/s und
= 1m/s.
Die luftseitige Schubspannungsgeschwindigkeit
![]()
ergibt sich zu
![]()
Durch das Verhältnis der Dichten von Luft
Kgm
und Wasser
Kgm
lä\3t sie sich in die wasserseitige Schubspannungsgeschwindigkeit
umrechnen:
![]()
Der Impulseintrag durch den Wind, über Rauhigkeiten an der
Wasseroberfläche, führt zu einem Anstieg der
Schubspannungsgeschwindigkeit. Der Dragkoeffizient
verknüpft die Windgeschwindigkeit
in 10m Höhe mit
der luftseitigen Schubspannungsgeschwindigkeit
:
![]()
Für den Ozean gibt [Coantic, 78] eine Näherungsformel für
an:
![]()
Die luftseitige Schubspannungsgeschwindigkeit ergibt sich damit
zu
![]()
und für die wasserseitige Schubspannungsgeschwindigkeit erhält
man
![]()
Mit diesen Näherungslösungen für die
Schubspannungsgeschwindigkeit
lä\3t sich der
Geschwindigkeitsgradient der Scherströmung an der
Wasseroberfläche nach Gleichung (4.14) abschätzen.
Tabelle A.4 zeigt
eine Gegenüberstellung
der daraus berechneten Schubspannungsgeschwindigkeiten und
Geschwindigkeitsgradienten für die beiden Windkanäle und den
Ozean. Beim Vergleich der Werte mu\3 berücksichtigt werden,
da\3 die Windgeschwindigkeiten in unterschiedlichen
Höhen
über
der Wasseroberfläche gemessen wurden. Für den Ozean stellt die
Windgeschwindigkeit
in 10m Höhe einen allgemein
üblichen Referenzwert dar. Die Anemometer im Heidelberger und
Delfter Windkanal befinden sich in ca. 30cm und 150cm Höhe
über der Wasseroberfläche.
Die Driftgeschwindigkeiten
, die zur Berechnung des
laminaren Konvektionsterms (4.11) der
Transportgleichung benötigt werden, müssen experimentell
bestimmt werden. Für den Windkanal der Delft Hydraulics und
für den Heidelberger Windkanal wurden sie von [Reinelt, 94]
gemessen. Für den Ozean fehlen zuverlässige Daten. Daher
werden zur Simulation die Driftgeschwindigkeiten des Delfter
Kanals verwendet (Tabelle A.3).
Die Werte des Heidelberger Kanals lassen sich
nicht mit dem Ozean vergleichen, da im zirkularen Kanal der
gesamte Wasserkörper in Rotation versetzt wird.