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Volumenemission langwelliger Strahlung

Der Senkenterm der Transportgleichung (4.4) wird durch die Emission langwelliger Strahlung geliefert. Für die Messungen im Windkanal der Delft Hydraulics ist dieser Term vernachlässigbar. Dort hat die feuchte Betondecke annähernd die gleiche Temperatur wie der Wasserkörper. Die Aufheizung der Wasseroberfläche durch den Laser beträgt nur wenige Kelvin. Da der Strahlungsflu\3 durch direkten Strahlungsaustausch proportional zur vierten Potenz der Temperaturdifferenz ansteigt (2.5), liegen die Verluste bei diesen geringen Temperaturdifferenzen im Bereich von wenigen Watt/mtex2html_wrap_inline13574. Völlig anders verhält es sich auf der freien Ozeanoberfläche. Während der Messungen, die hauptsächlich nachts durchgeführt wurden, konnte die Schwarzkörpertemperatur des Himmels bis zu 65K niedriger liegen, als die Wassertemperatur (Kapitel 2.6.2, [Saunders, 67], [Saunders, 70]). Typische Werte für Strahlungsverluste liegen damit in der Grö\3enordnung von 200Watt/mtex2html_wrap_inline13574. Unter diesen Bedingungen stellt die Volumenemission eine nicht zu vernachlässigende Senke für Wärme innerhalb der thermischen Grenzschicht dar. Die daraus resultierende Temperaturerniedrigung an der Wasseroberfläche nennt man dabei die `kalte Haut' (engl. cool skin) des Ozeans. Bei Sonneneinstrahlung können sich die Verhältnisse umkehren. Die thermische Grenzschicht kann sich durch Absorption von langwelliger Strahlung gegenüber dem Wasserkörper aufheizen ([Soloviev und Schlüssel, 95]). Da die Ozeanmessungen mit dem CFT-Instrument ausschlie\3lich nach Einbruch der Dunkelheit und am frühen Morgen stattfanden, wird dieser Fall in der Simulation nicht berücksichtigt.

In Kapitel 2.5.2 wurde der Transfer von Wärme durch Strahlung aus dem Inneren eines transparenten Mediums hergeleitet. Dabei wurde die tiefenabhängige Reabsorption der Strahlung unter verschiedenen Winkeln berücksichtigt. Die spezifische Ausstrahlung R (2.3) eines Wasserelementes in der Tiefe z, mit der Oberfläche dS und der Dicke dz, ergab sich zu (2.65):
 equation2386
Dies stellt die gesamte Leistung dar, die dem Volumenelement entzogen und als Strahlungsleistung in die Hemisphäre oberhalb der Wasseroberfläche emittiert wird. Zur Herleitung wurde vorausgesetzt, da\3 der Strahlungsaustausch zwischen verschiedenen Schichten innerhalb des Wasservolumens gegenüber dem Strahlungsaustausch zwischen Himmel und Wasser vernachlässigbar ist. Diese Annahme ist gerechtfertigt, da Temperaturdifferenzen innerhalb eines Wasservolumens, auf Längenskalen, die der Eindringtiefe der Strahlung entsprechen (tex2html_wrap_inline13998m), schnell durch Diffusion ausgeglichen werden.

Da der von der Oberfläche dS abgestrahlte Flu\3 tex2html_wrap_inline11946 der Wärmeleistung P entspricht, die dem Wasservolumen tex2html_wrap_inline14006 entzogen wird, gilt:
equation2395
und die Wärmemenge dQ, die dabei während einer Zeit dt verloren geht, berechnet sich zu:
equation2401

Damit ergibt sich die Abkühlungsrate
 eqnarray2407

Dieses Integral mu\3 für die Temperaturverteilung zu jedem Simulationsschritt berechnet werden, um die Temperaturerniedrigung durch Volumenemission zu ermitteln. Da sich die Temperatur innerhalb des Wasservolumens nur um wenige Kelvin ändert, sind diese Temperaturdifferenzen, im Vergleich zum Temperaturunterschied zwischen Himmel und Wasser, vernachlässigbar. Zur Berechnung der Volumenemission kann daher die Wassertemperatur als konstant angenommen werden: tex2html_wrap_inline14012, wobei mit tex2html_wrap_inline13954 die Temperatur des gut durchmischten Wasserkörpers unterhalb der Grenzschicht (engl. bulk) bezeichnet wird. Der Fehler, der sich daraus ergibt, liegt im Bereich von wenigen Watt/mtex2html_wrap_inline13574, im Vergleich zu ca. 200Watt/mtex2html_wrap_inline13574 als Absolutwert. Da die Schwarzkörpertemperatur des Himmels ohnehin nur geschätzt werden kann, liegen diese Fehler im Rahmen der Genauigkeit der Simulation. Unter der Annahme konstanter Temperatur vereinfacht sich (4.36) zu
 eqnarray2422
Dieses Integral stellt eine Temperatursenke der Transportgleichung (4.4) für die Simulation mit Volumenemission dar. Es beschreibt die Temperaturerniedrigung pro Zeitschritt an einem bestimmten Punkt des Simulationsvolumens. Die Implementierung für ein diskretes Gitter wird in Abschnitt 5.3.2 beschrieben. Da die Temperaturverteilung im Simulationsvolumen nicht mehr in die Integration eingeht, kann das Integral im voraus berechnet und als tiefenabhängige Look-Up-Tabelle (LUT) abgespeichert werden.


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Horst Haussecker
Tue Jan 14 19:32:36 MET 1997