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Diskretisierung des diffusiven Transportterms

Der Anteil des diffusiven Transports zur Temperaturänderung (5.2) wird beschrieben durch
 equation3234

Ersetzt man die partiellen Ableitungen durch Differenzenquotienten der Form (5.8) und (5.14), so ergibt sich:
eqnarray3248

Aufgelöst nach der gesuchten Temperatur zum Zeitpunkt tex2html_wrap_inline14490
 eqnarray3266
ergibt sich ein explizites Differenzenschema, nach dem sich die Temperatur zu einem Zeitpunkt tex2html_wrap_inline14490 an einem Punkt (i,j,k) aus den Temperaturen am Punkt selbst und an den sechs nächsten Nachbarpunkten zu einem früheren Zeitpunkt t berechnen lä\3t.

Dies entspricht einer gewichteten Mittelung der Temperaturen einer lokalen Umgebung des gesuchten Punktes. Die Wichtungskoeffizienten sind symmetrisch bezüglich des Punktes (i,j,k). In der Sprache der Digitalen Bildverarbeitung entspricht dies einer Faltung der Temperaturverteilung T mit der Faltungsmaske h der Wichtungskoeffizienten:
equation3292

Diese Äquivalenz zur Digitalen Bildverarbeitung legt es nahe, die dort entwickelten Konzepte der Optimierung von Filteroperationen zu nutzen. In der Digitalen Bildverarbeitung stellt sich gleicherma\3en das Problem, da\3 mathematische Operatoren auf einem diskreten Gitter möglichst fehlerfrei implementiert werden müssen, um eine optimale Extraktion physikalischer Information aus Bilddaten zu ermöglichen.

Zur Interpretation der Diffusionsgleichung im Sinne der Bildverarbeitung kann Gleichung (5.15) mit den diskreten Koordinaten (5.4) umgeschrieben werden zu
 equation3297
wobei nur die zeitliche Ableitung durch den Differenzenquotienten (5.8) ersetzt wurde. Für ein regelmä\3iges Gitter, d. h. tex2html_wrap_inline14516, reduziert sich dies auf
 equation3311
Dabei ist tex2html_wrap_inline14518 als diskrete Realisierung des kontinuierlichen Laplaceoperators aufzufassen. Aufgelöst nach der gesuchten Temperatur
 equation3331
liefert (5.20) die Operatorgleichung:
 equation3342
wobei tex2html_wrap_inline14520 den Einheitsoperator bezeichnet.

In dieser Darstellung ergibt sich die Temperaturverteilung nach einem Zeitschritt tex2html_wrap_inline14458 durch die Summe der Temperaturverteilung vor dem Zeitschritt und der Temperaturverteilung nach Anwendung des Laplaceoperators.

Wie bereits in der Herleitung der diskreten partiellen Ableitungen beschrieben wurde, stellen Differenzenquotienten nur Näherungen einer optimalen Lösung dar, da die Taylor-Entwicklung nach dem zweiten bzw. dritten Term abgebrochen wurde. Wie gut ein diskreter Ableitungsoperator die kontinuierliche Lösung approximiert, lä\3t sich an seiner Transferfunktion, d. h. der Fouriertransformierten des Filters, ablesen. Für partielle Ableitungen in Richtung der Koordinate tex2html_wrap_inline14524 gelten die Zusammenhänge ([Jähne, 93a])
 eqnarray3353
zwischen der Darstellung des Operators im Ortsraum und im Fourierraum. Die erste Ableitung einer Funktion f entspricht einer Multiplikation ihrer Fouriertransformierten tex2html_wrap_inline14528 mit dem imaginären Faktor tex2html_wrap_inline14530, wobei tex2html_wrap_inline14532 die Wellenzahl in Richtung der tex2html_wrap_inline14524-Achse bezeichnet. Durch zweimaliges Anwenden der ersten Ableitung ergibt sich die zweite Ableitung einer Funktion f als Multiplikation ihrer Fouriertransformierten tex2html_wrap_inline14528 mit dem negativen Quadrat der Wellenzahl.

Aus den partiellen, zweiten Ableitungen ergibt sich der dreidimensionale Laplaceoperator
equation3372
der mit (5.24) im Fourierraum die Form
 equation3382
annimmt. Aus Gleichung (5.26) lä\3t sich erkennen, da\3 der ideale, dreidimensionale Laplaceoperator eine isotrope Transferfunktion besitzt. Das komplexe Spektrum tex2html_wrap_inline14540 einer Funktion wird dabei mit dem negativen Quadrat des Betrages k des Wellenzahlvektors tex2html_wrap_inline14214 multipliziert.

Um die Forderung der Isotropie zu erfüllen, wird in [Jähne, 93a] vorgeschlagen, die Isotropie von Binomial-Glättungsmasken zur Konstruktion eines dreidimensionalen Laplaceoperators auszunutzen. Die Transferfunktion tex2html_wrap_inline14546 einer n-dimensionalen Binomialmaske tex2html_wrap_inline14550 vom Grad 2 kann für kleine Wellenzahlen mit
equation3404
approximiert werden, wobei k den Betrag des n-dimensionalen Wellenzahlvektors im Fourierraum bezeichnet. Wird das Originalbild von dem mit der Binomialmaske geglätteten Bild subtrahiert (tex2html_wrap_inline14556), so ergibt sich für kleine Wellenzahlen eine Transferfunktion
equation3413
Dabei bezeichnet tex2html_wrap_inline14520 den Einheitsoperator, der das Bild unverändert lä\3t. Die kombinierte Faltungsmaske
 equation3423
ist damit ein n-dimensionaler Ableitungsoperator zweiter Ordnung, d. h. ein n-dimensionaler Laplaceoperator tex2html_wrap_inline14518 mit isotroper Transferfunktion tex2html_wrap_inline14566.

Aufgelöst nach tex2html_wrap_inline14550 liefert (5.29) den Zusammenhang
 equation3434

Ein Vergleich von (5.30) mit (5.22) liefert eine modifizierte, explizite Lösung der Diffusionsgleichung:
 equation3445

Unter Verwendung des diskreten Laplaceoperators der Form (5.29) ergibt sich die numerische Lösung der dreidimensionalen Diffusionsgleichung (5.15) somit als eine Glättung des Simulationsvolumens mit einer dreidimensionalen Binomialmaske der Ordnung 2. Dies entspricht anschaulich der Tatsache, da\3 bei einer Glättung der Wärmeinhalt eines Gitterpunktes auf die umliegenden Nachbarpunkte verteilt wird, wobei die Koeffizienten der Glättungsmaske die Form der Verteilung, d. h. die Punktantwort, wiedergeben. Die Faltung mit der Punktantwort ist somit die diskrete Realisierung des Konzeptes der Green'schen Funktion zur Lösung von Differentialgleichungen (siehe auch Kapitel 4.5).

Die Green'sche Funktion der Diffusionsgleichung ist eine normierte, gau\3förmige Verteilung, deren Breite tex2html_wrap_inline12464 mit der Quadratwurzel der Zeit anwächst (4.47). Eine optimale, diskrete Realisierung der Gau\3verteilung wird von den diskreten Binomialmasken tex2html_wrap_inline14572 dargestellt. Der Grad 2n gibt die Breite der Masken an und repräsentiert somit die Zeitdauer der Diffusion.

Eine bemerkenswerte Eigenschaft von Binomialmasken, die sich zur effizienten Implementierung ausnutzen lä\3t, ist die Tatsache, da\3 sich gro\3e Masken durch wiederholtes Anwenden kleinerer Masken aufbauen lassen. Da die Faltung eine lineare Operation darstellt, kann damit das Simulationsvolumen mehrmals hintereinander mit der elementaren Maske tex2html_wrap_inline14550 geglättet werden, um effektiv eine Glättung mit der grö\3eren Maske tex2html_wrap_inline14572 zu erreichen:
equation3469

Dies entspricht genau der Lösung der Diffusionsgleichung nach Gleichung (5.31). Die Zeit wird in diskrete Schritte eingeteilt. Zu jedem Zeitschritt tex2html_wrap_inline14458 führt die Glättung mit der Maske tex2html_wrap_inline14550 zu einer Änderung der Temperatur gemä\3 der Diffusionsgleichung. Die Temperaturverteilung nach einer Zeit tex2html_wrap_inline14584 ergibt sich durch n-maliges Wiederholen dieses Schrittes.

Die physikalische Grö\3e der realen Zeit tex2html_wrap_inline14458, die eine einmalige Glättung repräsentiert, ist durch die Bedingung in Gleichung (5.31) gegeben:
equation3483
Nur für diese Kombination der diskreten Orts- und Zeitauflösung entspricht die Diffusion während eines Zeitschrittes tex2html_wrap_inline14458 einer Glättung mit der Binomialmaske tex2html_wrap_inline14550.

Für die verwendete Tiefenauflösung von tex2html_wrap_inline14594m und die Diffusionskonstante D = 0.0014cmtex2html_wrap_inline13574stex2html_wrap_inline12006 von Wärme in Wasser ergibt sich der Zeitschritt zu tex2html_wrap_inline14602s.

Aus der Digitalen Bildverarbeitung ergibt sich eine Methode dreidimensionale Binomialmasken effizient zu implementieren. Dabei wird die Eigenschaft der Separabilität der Masken ausgenutzt. Dies bedeutet, da\3 eine dreidimensionale Glättung mit einer Binomialmaske tex2html_wrap_inline14550 durch sukzessives Falten der dreidimensionalen Datenstruktur T mit eindimensionalen Binomialmasken entlang der drei Koordinatenachsen ersetzt werden kann:
 equation3497
Die eindimensionalen Masken tex2html_wrap_inline14608, tex2html_wrap_inline14610 und tex2html_wrap_inline14612 haben dabei die Form
 equation3514
und laufen entlang der Achsen i, j und k.

Damit ergibt sich die Implementierung des dreidimensionalen Diffusionstermes in Gleichung (4.9) zu drei eindimensionalen Glättungen des dreidimensionalen Simulationsvolumens der Form
 equation3526

Diese Möglichkeit der Implementierung approximiert den isotropen, dreidimensionalen Laplaceoperator der Differentialgleichung besser als das explizite Differenzenverfahren der Form (5.17). Beide Implementierungen stellen jedoch diskrete Faltungen der Datenstruktur dar, die in einem Bildverarbeitungsprogramm mit wenig Aufwand realisiert werden können. Im Falle des verwendeten Programmes heurisko konnte die Simulation vollständig in der programmeigenen Hochsprache mit Standard-Bildverarbeitungsoperatoren implementiert werden (siehe Anhang B.1). Dies macht die enge Verwandtschaft zwischen Digitaler Bildverarbeitung und numerischer Mathematik deutlich.

Bemerkungen:

1.
Die Implementierung der dreidimensionalen Diffusion nach (5.36) ergab sich aus dem Wunsch, einen Laplaceoperator zu konstruieren, der die Forderung der Isotropie besser erfüllt als das direkte Differenzenverfahren nach Gleichung (5.17). Für die eindimensionale Diffusionsgleichung
equation3547
ergibt sich mit (5.8) und (5.14) das explizite Differenzenschema
 equation3555
d. h.  eine Faltung mit der Maske tex2html_wrap_inline14620. Für tex2html_wrap_inline14622 stellt dies die eindimensionale Binomialmaske tex2html_wrap_inline14608 der Form (5.35) dar. Für den eindimensionalen Fall sind somit die beiden Realisierungen (5.36) und (5.17) identisch.

2.
Die Wahl von tex2html_wrap_inline14622 in Gleichung (5.22) und (5.38) hatte das Ziel, die Binomialmaske als Lösung zu erhalten. Für andere Werte von tex2html_wrap_inline12238 ergeben sich alternative Realisierungen, die für feste Gitterabständen tex2html_wrap_inline14422 zu anderen Zeitschritten tex2html_wrap_inline14458 führen. Der grö\3te, sinnvolle Wert für tex2html_wrap_inline12238 ergibt sich aus der Bedingung, da\3 nicht mehr Wärme aus der zentralen Box verschwinden kann, als vor dem Zeitschritt in ihr enthalten war, d. h. tex2html_wrap_inline14636. Dies führt zu der Bedingung tex2html_wrap_inline14638. Genauere Berechnungen zeigen, da\3 dieser Maximalwert bereits zu numerischen Instabilitäten und Oszillationen des Ergebnisses führt ([Cranck, 93]). Der Wert tex2html_wrap_inline14622 liegt noch im Bereich der stabilen Lösungen. Gleichzeitig ist er gro\3 genug, um nicht zu sehr kleinen Zeitschritten und damit sehr langen Rechenzeiten zu führen. Es zeigt sich hierbei, wie auch bei vielen Anwendungen der Bildverarbeitung, da\3 die Binomialmaske die physikalische Realität in idealer Weise zu approximieren scheint und darüber hinaus sehr effizient zu implementieren ist.

3.
Beim Übergang von Gleichung (5.19) zu Gleichung (5.20) wurde vorausgesetzt, da\3 es sich bei der Diskretisierung des Volumens um ein regelmä\3iges Gitter handelt, d. h. tex2html_wrap_inline14516. Nur in diesem Fall ist die Faltungsmaske isotrop bezüglich des diskreten Gitters und führt auf die dreidimensionale Binomialmaske als Realisierung. Im vorliegenden Fall wurde jedoch die vertikale Auflösung um einen Faktor 100 kleiner gewählt als die horizontale Auflösung (Abschnitt 5.3.1). Eine Anwendung der dreidimensionalen Binomialmaske auf diesem Gitter führt zu einer anisotropen Diffusion.

Zum Vergleich der Wirkung der Diffusion in horizontaler und vertikaler Richtung wird die dreidimensionale Binomialmaske nach (5.34) zerlegt und die Ausdehnung der einzelnen Masken bezüglich der kontinuierlichen Koordinaten betrachtet. Eine Binomialmaske vom Grad n, die auf einem Gitter der Gitterkonstante tex2html_wrap_inline14422 angewendet wird, stellt eine diskrete Realisierung einer Gau\3verteilung der Breite tex2html_wrap_inline14648 dar, wobei der Zusammenhang
equation3577
zwischen n und tex2html_wrap_inline12464 gilt. Für ein unregelmä\3iges Gitter, mit tex2html_wrap_inline14654, ergeben sich daher die Ausdehnungen
 equation3581
der Verteilung bezüglich der kontinuierlichen Koordinaten, nach einmaligem Anwenden der Binomialmaske in alle Raumrichtungen. Berücksichtigt man noch, da\3 die Breite der Gau\3verteilung bei der Diffusion mit der Quadratwurzel der Zeit anwächst, d. h. tex2html_wrap_inline14656, dann entspricht die Glättung mit einer isotropen Gau\3maske auf dem unregelmä\3igen Gitter unterschiedlichen Zeitschritten in horizontaler und vertikaler Richtung. Mit
equation3585
folgt aus (5.40):
equation3592

Aufgrund der 100-fach gröberen Auflösung in horizontaler Richtung, entspricht eine Glättung entlang der horizontalen Achsen 10tex2html_wrap_inline14658 Glättungen bezüglich eines Gitters der Auflösung tex2html_wrap_inline14426 in horizontaler Richtung. Um pro Zeitschritt eine isotrope Diffusion zu erhalten, kann die Ausdehnung der Glättungsmasken in horizontaler Richtung eingeschränkt werden. Dazu wird, wie gehabt, der Zeitschritt tex2html_wrap_inline14458 über die Bedingung (5.38) mit tex2html_wrap_inline14622 und der vertikalen Auflösung tex2html_wrap_inline14426 festgelegt. Dieser Zeitschritt tex2html_wrap_inline14458 liefert, mit der horizontalen Auflösung tex2html_wrap_inline14422 bzw. tex2html_wrap_inline14424, die Bedingung für tex2html_wrap_inline12238 in horizontaler Richtung (5.38) und damit eine modifizierte Faltungsmaske. Diese stellt jedoch keine Binomialmaske mehr dar. Eine weitere Möglichkeit zur Realisierung einer isotropen Diffusion auf einem unregelmä\3igen Gitter ist es, die horizontale Glättung nur nach jeweils 10tex2html_wrap_inline14658 vertikalen Glättungen durchzuführen. Dies reduziert den Rechenaufwand auf etwa 1/3 und führt auf das gleiche Ergebnis.

4.
Die Diskussion der Implementierung der Diffusionsgleichung in diesem Abschnitt zeigt deutlich, wie eine effiziente Implementierung durch die Konzepte der Digitalen Bildverarbeitung erreicht werden kann. Darüber hinaus wird die gewünschte Isotropie der Lösung besser approximiert als durch direkte Differenzenverfahren. Bei einer Implementierung der Form (5.17) sind pro Gitterpunkt 7 Multiplikationen und 6 Additionen nötig. Bei einer Realisierung der Form (5.36) können die Multiplikationen vollständig durch schnelle Shift-Operationen ersetzt werden. Für die drei Faltungen entlang der Koordinatenachsen reduziert sich der Rechenaufwand auf jeweils eine Shift-Operation des zentralen Punktes, zwei Additionen und eine abschlie\3ende Shift-Operation zur Normierung.


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Horst Haussecker
Tue Jan 14 19:32:36 MET 1997