Der Anteil des diffusiven Transports zur Temperaturänderung
(5.2) wird beschrieben durch
![]()
Ersetzt man die partiellen Ableitungen durch
Differenzenquotienten der Form (5.8) und (5.14),
so ergibt sich:

Aufgelöst nach der gesuchten Temperatur zum Zeitpunkt

ergibt sich ein explizites Differenzenschema, nach dem sich
die Temperatur zu einem Zeitpunkt
an einem Punkt
(i,j,k)
aus den Temperaturen am Punkt selbst und an den sechs nächsten
Nachbarpunkten zu einem früheren Zeitpunkt t berechnen lä\3t.
Dies entspricht einer gewichteten Mittelung der Temperaturen einer
lokalen Umgebung des gesuchten Punktes. Die
Wichtungskoeffizienten sind symmetrisch bezüglich des Punktes
(i,j,k). In der Sprache der Digitalen Bildverarbeitung
entspricht dies einer Faltung der Temperaturverteilung
T mit der Faltungsmaske h der Wichtungskoeffizienten:
![]()
Diese Äquivalenz zur Digitalen Bildverarbeitung legt es nahe, die dort entwickelten Konzepte der Optimierung von Filteroperationen zu nutzen. In der Digitalen Bildverarbeitung stellt sich gleicherma\3en das Problem, da\3 mathematische Operatoren auf einem diskreten Gitter möglichst fehlerfrei implementiert werden müssen, um eine optimale Extraktion physikalischer Information aus Bilddaten zu ermöglichen.
Zur Interpretation der Diffusionsgleichung im Sinne der
Bildverarbeitung kann Gleichung
(5.15) mit den diskreten Koordinaten
(5.4) umgeschrieben werden zu

wobei nur die zeitliche Ableitung durch den
Differenzenquotienten (5.8) ersetzt wurde.
Für ein regelmä\3iges Gitter, d. h.
, reduziert sich dies auf

Dabei ist
als diskrete Realisierung des
kontinuierlichen Laplaceoperators aufzufassen.
Aufgelöst nach der gesuchten Temperatur
![]()
liefert (5.20) die Operatorgleichung:
![]()
wobei
den Einheitsoperator bezeichnet.
In dieser Darstellung ergibt sich die Temperaturverteilung nach
einem Zeitschritt
durch die Summe der Temperaturverteilung
vor dem Zeitschritt und der Temperaturverteilung nach Anwendung
des Laplaceoperators.
Wie bereits in der Herleitung der diskreten partiellen
Ableitungen beschrieben wurde, stellen Differenzenquotienten nur Näherungen
einer optimalen Lösung dar, da die Taylor-Entwicklung nach dem
zweiten bzw. dritten Term abgebrochen wurde. Wie gut ein diskreter
Ableitungsoperator die kontinuierliche Lösung
approximiert, lä\3t sich an seiner Transferfunktion, d. h. der
Fouriertransformierten des Filters, ablesen. Für partielle
Ableitungen in Richtung der Koordinate
gelten die
Zusammenhänge ([Jähne, 93a])

zwischen der Darstellung des Operators im Ortsraum und im Fourierraum.
Die erste Ableitung einer Funktion f entspricht einer Multiplikation ihrer
Fouriertransformierten
mit dem
imaginären Faktor
, wobei
die Wellenzahl in
Richtung der
-Achse bezeichnet. Durch zweimaliges Anwenden
der ersten Ableitung ergibt sich die zweite
Ableitung einer Funktion f als Multiplikation
ihrer Fouriertransformierten
mit dem
negativen Quadrat der Wellenzahl.
Aus den partiellen, zweiten Ableitungen ergibt sich der
dreidimensionale Laplaceoperator
![]()
der mit (5.24) im Fourierraum die Form
![]()
annimmt. Aus Gleichung (5.26) lä\3t sich erkennen,
da\3 der ideale, dreidimensionale Laplaceoperator eine isotrope
Transferfunktion besitzt. Das komplexe Spektrum
einer
Funktion wird dabei mit dem negativen Quadrat des Betrages k
des Wellenzahlvektors
multipliziert.
Um die Forderung der Isotropie zu erfüllen, wird in [Jähne, 93a]
vorgeschlagen, die Isotropie von Binomial-Glättungsmasken zur
Konstruktion eines dreidimensionalen Laplaceoperators
auszunutzen. Die Transferfunktion
einer
n-dimensionalen Binomialmaske
vom Grad 2 kann
für kleine Wellenzahlen mit
![]()
approximiert werden, wobei k den Betrag des
n-dimensionalen Wellenzahlvektors im Fourierraum bezeichnet.
Wird das Originalbild von dem mit der Binomialmaske geglätteten
Bild subtrahiert (
),
so ergibt sich für kleine Wellenzahlen eine Transferfunktion
![]()
Dabei bezeichnet
den Einheitsoperator, der das Bild
unverändert lä\3t. Die kombinierte Faltungsmaske
![]()
ist damit ein n-dimensionaler Ableitungsoperator zweiter
Ordnung, d. h. ein n-dimensionaler Laplaceoperator
mit isotroper Transferfunktion
.
Aufgelöst nach
liefert (5.29) den
Zusammenhang
![]()
Ein Vergleich von (5.30) mit (5.22) liefert
eine modifizierte, explizite Lösung der Diffusionsgleichung:
![]()
Unter Verwendung des diskreten Laplaceoperators der Form (5.29) ergibt sich die numerische Lösung der dreidimensionalen Diffusionsgleichung (5.15) somit als eine Glättung des Simulationsvolumens mit einer dreidimensionalen Binomialmaske der Ordnung 2. Dies entspricht anschaulich der Tatsache, da\3 bei einer Glättung der Wärmeinhalt eines Gitterpunktes auf die umliegenden Nachbarpunkte verteilt wird, wobei die Koeffizienten der Glättungsmaske die Form der Verteilung, d. h. die Punktantwort, wiedergeben. Die Faltung mit der Punktantwort ist somit die diskrete Realisierung des Konzeptes der Green'schen Funktion zur Lösung von Differentialgleichungen (siehe auch Kapitel 4.5).
Die Green'sche Funktion der Diffusionsgleichung ist eine
normierte, gau\3förmige Verteilung, deren Breite
mit
der Quadratwurzel der Zeit anwächst (4.47).
Eine optimale, diskrete Realisierung der Gau\3verteilung wird
von
den diskreten Binomialmasken
dargestellt. Der
Grad 2n gibt die Breite der Masken an und repräsentiert somit
die Zeitdauer der Diffusion.
Eine bemerkenswerte Eigenschaft von Binomialmasken, die sich zur
effizienten Implementierung ausnutzen lä\3t, ist die Tatsache,
da\3 sich gro\3e Masken durch wiederholtes Anwenden kleinerer
Masken aufbauen lassen. Da die Faltung eine lineare Operation
darstellt, kann damit das Simulationsvolumen mehrmals
hintereinander mit der elementaren Maske
geglättet werden, um effektiv eine Glättung mit der grö\3eren
Maske
zu erreichen:
![]()
Dies entspricht genau der Lösung der Diffusionsgleichung
nach Gleichung (5.31). Die Zeit wird in
diskrete Schritte eingeteilt. Zu jedem Zeitschritt
führt die Glättung mit der Maske
zu einer
Änderung der Temperatur gemä\3 der Diffusionsgleichung. Die
Temperaturverteilung nach einer Zeit
ergibt sich
durch n-maliges Wiederholen dieses Schrittes.
Die physikalische Grö\3e der realen Zeit
, die eine
einmalige Glättung repräsentiert, ist durch die Bedingung in
Gleichung (5.31) gegeben:
![]()
Nur für diese Kombination der diskreten Orts- und
Zeitauflösung entspricht die Diffusion während eines
Zeitschrittes
einer Glättung mit der Binomialmaske
.
Für die verwendete Tiefenauflösung von
m
und die Diffusionskonstante D = 0.0014cm
s
von
Wärme in Wasser ergibt sich der Zeitschritt zu
s.
Aus der Digitalen Bildverarbeitung ergibt sich eine Methode
dreidimensionale Binomialmasken effizient zu implementieren.
Dabei wird die Eigenschaft der Separabilität der Masken
ausgenutzt. Dies bedeutet, da\3 eine dreidimensionale
Glättung mit einer Binomialmaske
durch
sukzessives Falten der dreidimensionalen Datenstruktur T mit
eindimensionalen Binomialmasken entlang der drei Koordinatenachsen
ersetzt werden kann:
![]()
Die eindimensionalen Masken
,
und
haben dabei die Form
![]()
und laufen entlang der Achsen i, j und k.
Damit ergibt sich die Implementierung des dreidimensionalen
Diffusionstermes in Gleichung (4.9) zu
drei eindimensionalen Glättungen des dreidimensionalen
Simulationsvolumens der Form
![]()
Diese Möglichkeit der Implementierung approximiert den isotropen, dreidimensionalen Laplaceoperator der Differentialgleichung besser als das explizite Differenzenverfahren der Form (5.17). Beide Implementierungen stellen jedoch diskrete Faltungen der Datenstruktur dar, die in einem Bildverarbeitungsprogramm mit wenig Aufwand realisiert werden können. Im Falle des verwendeten Programmes heurisko konnte die Simulation vollständig in der programmeigenen Hochsprache mit Standard-Bildverarbeitungsoperatoren implementiert werden (siehe Anhang B.1). Dies macht die enge Verwandtschaft zwischen Digitaler Bildverarbeitung und numerischer Mathematik deutlich.
Bemerkungen:
Zum Vergleich der Wirkung der Diffusion in horizontaler und
vertikaler Richtung wird die dreidimensionale Binomialmaske
nach (5.34) zerlegt und die Ausdehnung der einzelnen
Masken bezüglich der kontinuierlichen Koordinaten betrachtet.
Eine Binomialmaske vom Grad n, die auf einem Gitter der
Gitterkonstante
angewendet wird, stellt eine diskrete
Realisierung einer Gau\3verteilung der Breite
dar, wobei der Zusammenhang
![]()
zwischen n und
gilt. Für ein unregelmä\3iges
Gitter, mit
, ergeben
sich daher die Ausdehnungen
![]()
der Verteilung bezüglich der kontinuierlichen Koordinaten, nach einmaligem
Anwenden der Binomialmaske in alle Raumrichtungen.
Berücksichtigt man noch, da\3 die Breite der Gau\3verteilung
bei der Diffusion mit der Quadratwurzel der Zeit anwächst,
d. h.
, dann entspricht die Glättung
mit einer isotropen Gau\3maske auf dem unregelmä\3igen Gitter
unterschiedlichen Zeitschritten in horizontaler und vertikaler
Richtung. Mit
![]()
folgt aus (5.40):
![]()
Aufgrund der 100-fach gröberen Auflösung in horizontaler
Richtung, entspricht eine Glättung entlang der horizontalen
Achsen 10
Glättungen bezüglich eines Gitters der
Auflösung
in horizontaler Richtung. Um pro
Zeitschritt eine isotrope Diffusion zu erhalten, kann die Ausdehnung der
Glättungsmasken in horizontaler Richtung eingeschränkt werden.
Dazu wird, wie gehabt, der Zeitschritt
über die
Bedingung (5.38) mit
und der vertikalen
Auflösung
festgelegt. Dieser Zeitschritt
liefert, mit der horizontalen Auflösung
bzw.
, die Bedingung für
in
horizontaler Richtung (5.38) und damit eine
modifizierte Faltungsmaske. Diese stellt jedoch keine
Binomialmaske mehr dar. Eine weitere Möglichkeit zur
Realisierung einer isotropen Diffusion auf einem
unregelmä\3igen Gitter ist es, die horizontale Glättung nur
nach jeweils 10
vertikalen Glättungen durchzuführen. Dies
reduziert den Rechenaufwand auf etwa 1/3 und führt auf das
gleiche Ergebnis.